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Die Yardbirds


Wir werden jetzt nicht versuchen, ein Buch über die Yardbirds zu schreiben; das wurde bereits getan - dreimal. Wir wollen nur nochmal wiederholen, dass die Yardbirds, vielleicht mehr als alle anderen Gruppen, richtige Gitarren-Feuerwerke in den Rock'n Roll der 60er Jahre gebracht haben. Indem sie der Welt Clapton, Beck und Page vorgestellt und ihnen viel Raum gegeben haben, um sich auszuleben, hat die Band nicht nur als Vorbild für Cream, die Jeff Beck Group und Led Zeppelin gedient, sondern eigentlich auch für jede Rockband, die mit Verzerrungen, Feedbacks und Virtuosität an der E-Gitarre arbeitet.

 

Diese bemerkenswerten Erfolge wären für eine Band genug, um sich zurückzulehnen und stolz darauf zurückzuschauen, aber diese Band geht weiter. Drei Jahre nachdem sie im Jahr 1992 in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen wurden, haben sich die Yardbirds wieder formiert, aber sie beschlossen, erst einmal unterhalb des Radars zu bleiben, sich die richtigen Leute ins Boot zu holen und ihr Material aufzuarbeiten. Das hat sich mit der Veröffentlichung der ersten Studioaufnahme seit 1967 geändert. Überraschend an dem neuen Album Birdland (erschienen bei Steve Vai's Favored Nations Records) ist, das ganze 35 Jahre später der Sound immer noch der von den Yardbirds ist. Es passt also gut in eine Zeit, in der eine neue Generation von "gitarrenschwingenden" Bands wie die White Stripes, die Hives, die Strokes und die Vines sich mit dem wiedererwachten Rockpublikum zusammentut.

 

Bei den Gründungsmitgliedern Dreja (Rythmus Gitarre, Background Vocals) und Jim McCarty (Schlagzeug, Background Vocals) besteht ein Hang dazu, brillante Gitarristen zu plazieren, und sie haben es wieder getan, indem sie die Yardbirds um die Explosivität von John "Gypie" Mayo herumgruppieren, den besten Gitarristen, von dem Ihr nie etwas gehört habt (außer wenn Ihr die Veröffentlichungen von Dr. Feelgood von 1977 - 80 mitverfolgt habt). "Gypie spielt dasselbe nie zweimal gleich", sagt Dreja. "Er ist sehr inspiriert und spontan, wie Beck – er ist ein fantastischer Musiker."

 

Den Rest der Band bilden der Frontmann/Bassist John Idan, ein lebenslanger Yardbirds Fan und das ehemalige Nine Below Zero Mitglied Alan Glen, der die Blues Harp im Geist des späten Keith Relf, des ursprünglichen Lead-Sängers der Band spielt. Beide sind charismatische Live - Musiker: John mit seiner starken Bühnenpräsenz, und Alan, der einer der meistgefragten Session - Musiker in England ist.

 

Diese Supercrew hat viel gute Gesellschaft auf Birdland, mit Unterstützung von Brian May, Slash, Joe Satriani, Steve Lukather, Jeff "Skunk" Baxter, Vai und Jeff Beck, der zurückkehrt, um nochmal eine Runde mit seinen ehemaligen Kollegen zu drehen. Diese Zusammenstellung von Talenten macht - zusammen mit Mayo - das Album zu einem Rock-Gitarren-Fest.

 

Um die Band wieder einer neuen Generation von Musik-Liebhabern bekanntzumachen, haben die Band-Mitglieder auf drängen von Steve Vai entschieden, 8 neue Aufnahmen von Yardbirds - Klassikern zu machen: “I'm Not Talking” (mit Mayo als Leadgitarrist), “The Nazz Are Blue” (mit Baxter), “For Your Love” (mit Johnny Rzeznik als Sänger), “Train Kept a Rolling" (Satriani), “Shapes of Things” (Vai), “Over, Under, Sideways, Down” (Slash), “Mr. You're a Better Man Than I” (May) und “Happenings Ten Years Time Ago” (Lukather).

"Ein paar Sachen wirken richtig live", wundert sich Dreja, "und heute, mit besserem Soundequipment, starten wir voll durch ins 21. Jahrhundert."

 

"Ich halte es für eine große Ehre, daß so hochangesehene Musiker mitmachen", sagt McCarty. "Aber die Yardbirds waren schon immer ein Sammelplatz für experimentierfreudige Musiker."

 

Zu den acht Neuinterpretationen kommen sieben neue Stücke, die die musikalische Tradition der Yardbirds fortsetzen: “Crying Out for Love”, “Please Don't Tell Me ’Bout the News,” “Mr. Saboteur,” “My Blind Life” (mit Jeff Beck), “Mystery of Being,” “Dream Within a Dream” und “An Original Man (Ein Song für Keith)”.

 

"Das neue Material paßt wunderbar zu den alten Sachen", bemerkt McCarty. "Es gab in unserem alten Material zwei Seiten, nämlich die eher bluesigen Anklänge wie 'I'm Not Talking' und 'I'm a Man' und die gefühlvolleren Songs wie 'For Your Love' und 'Shapes of Things'. Das paßt zu den neuen Sachen wie z.B. 'News' und 'Mr. Saboteur', die mehr bluesigen Einfluß hineinbringen.

 

McCarty komponierte fünf der sieben neuen Songs: “Mystery of Being”, “Dream Within a Dream”, “News”, “Mr. Saboteur” und den bluesbasierten Song “Crying Out for Love”. "Jim ist ein Komponist, daher hat er wahrscheinlich von uns allen die größe Fähigkeit, einen fertigen Song auf den Tisch zu bringen", sagt Dreja über seinen Partner. "Dann Yardbirdizen wir ihn - wir machen wirklich Vogeldreck über das ganze Ding". Dreja ergänzt noch: "'My Blind Life' im Geist von Bo Diddley und Howlin' Wolf und 'An Original Man' ist eine Bandkomposition zu Ehren von Relf.

 

"Das erste Album nach so vielen Jahren war ein langgehegter Traum", sagt Dreja. "Wir wollten unsere Originalsongs und die neuen mit moderner Produktionsweise aufnehmen und dabei die Essenz unseres Sounds festhalten. Für mich klingt es nicht so, als wären wir 35 Jahre weggewesen. Die Yardbirds stecken immer noch voller Energie und das kommt in diesem Album voll zur Geltung.

 

Was haben die Yardbirds in den Jahren zwischen der Auflösung und der Neuformierung gemacht? "In den 80ern", erinnert sich Dreja, "haben wir gemerkt, dass wir einiges Material aufnehmen sollten. Wir hatten Leute wie Ian Dury, Graham Parker, Roger Chapman, Jimmy Page, Jeff Beck, Rory Gallagher und Steve Hackett. Es war keine Live-Band; es war eine Möglichkeit für eine paar Männer im mittleren Alter, sich zu treffen und Musik zu machen - eine Art Gruppentherapie. Dann gab es wieder eine lange Pause aus anderen Gründen - anderen Karrieren." Dreja war 32 Jahre lang Fotograf, während McCarty, der mit Relf die '70s group Renaissance' gegründet hat, einige Solo - Alben aufgenommen hat. "Aber Jim und ich hielten die ganze Zeit Kontakt. Dann, nachdem wir 1992 geehrt wurden, kam die Idee auf, wieder zu spielen, falls wir die richtigen Leute für die Yardbirds finden sollten."

 

McCarty ergänzt: "Die Motivation, die Band neu zu formieren, kam 1995, als Chris und ich von einem Agenten kontaktiert wurden, der bereits mit den neuformierten Animals arbeitete. Ich spielte seit 1989 in der Jim McCarty Band, einer Londoner Blues Band mit Top Topham, dem ursprünglichen Yardbirds-Gitarristen von 1963, der damals nach einem halben Jahr in der Band durch Eric Clapton ersetzt worden war. Eine Aufnahme der Band von 1993 wurde zum ersten Mal veröffentlicht. Wir hatten John Idan getroffen, während er in London war, um Gitarren für ein amerikanisches Unternehmen zu kaufen, und er hatte sich dafür entschieden, bei uns mitzumachen. Top verließ uns und wurde durch Ray Majors ersetzt, der bei einem Stück von Box of Frogs 1984 mitgespielt hatte.

 

John und Ray wurden gebeten, in die neue Yardbirds Formation einzusteigen. John bringt sowohl viel Energie und Enthusiasmus in die Band, als auch eine sehr gute Kenntnis der Originalband inklusive großem Respekt vor dem alten Material. Er sieht auch ein bisschen aus wie Keith Relf, singt aber mehr wie ein Chicago Blues Sänger. Wir baten dann Laurie Garman, uns an der Mundharmonika zu begleiten. Wir haben mit ein paar 'Retro'-Shows und Festivals begonnen, und es hat uns Spaß gemacht, die alten Songs wieder zu spielen. Ray war ein recht "schwerfälliger" Gitarrist, und wir dachten, es wäre besser, ihn durch jemanden zu ersetzen, der spontaner spielt, a la Jeff Beck. Laurie Garman hatte früher schon mit Gypie Majo in einer Band namens Cobra gespielt, und so nahmen wir ihn bei uns auf. Es war offensichtlich für mich, dass Gypie genau richtig für die Band ist, weil er unglaublich kreativ spielt, besonders auf der Bühne. 1997 wurde Laurie durch Alan Glen ersetzt.

 

"Durch die Arbeit an dem neuen Material für Birdland haben wir uns alle mehr unserem unterschiedlichen, individuellen und gemeinschaftlichen Potenzial geöffnet und da ist jetzt eine neue Dynamik - die Aufbruchstimmung und Energie ist immer noch da, aber jetzt gepaart mit Erfahrung", sagt McCarty über die modernen Yardbirds.

 

Dreja erklärt wie die Band es geschafft hat, eine solche Gruppe von hochkarätigen Gästen für das Projekt zu begeistern: "All die Gitarristen und Musiker, besonders in Amerika, haben schon immer eine Art Verehrung für die Yardbirds gehabt. Steve und die Leute in Amerika haben geholfen, Slash und Satriani an Bord zu holen. Nachdem der Ball einmal ins rollen gekommen ist, musst Du ein oder zwei berühmte Leute bekommen und die anderen wollen auch. Dies ist ein Album der Leidenschaft und Liebe, nicht eine Marketing-Übung."

 

Was würde Dreja Skeptikern sagen, die unweigerlich die Absichten der Band, das alte Material zu überarbeiten und immer neue Gaststars ins Boot zu holen, in Frage stellen? "Die Entscheidung, die Leute an die Energie unserer alten Songs zu erinnern, war wichtig, weil wir weg waren. Wir sind nicht eine Band wie The Who oder die Stones, die einfach weitermachten und mit denen das Publikum alt wurde – wir haben einen langen Urlaub genommen."

 

"Jeder Künstler möchte verbessern, was er ursprünglich gemacht hat, und mir gefallen viele unserer neuen Interpretationen besser als die Originale. Die Originale wurden in kürzester Zeit aufgenommen und die Produktion war nicht besonders gut. Es war sehr interessant, zurück zu gehen und das ganze noch einmal zu machen. Und jedenfalls ist das Album ein Mix von Neu und Alt, und das alte Material hat subtile Änderungen und natürlich haben diese Gastmusiker alles gegeben, um etwas ganz besonderes in diese Songs zu legen. Als ich das vorläufige Master hörte, habe ich versucht, mich zu distanzieren. Und ich merkte, dass die Band immer noch diesen Kick hat. Es hat Blut und Schweiss gekostet und das spürt man."

 

Und was ist mit denen, die der Band vorwerfen, dass sie nur abkassieren wollen, nachdem ihr Stil wieder populär geworden ist? "Der Garagen-Sound war nie ganz weg", antwortet Dreja. "Ich habe ihn jahrelang überall gehört und aus irgendeinem Grund ist er wieder salonfähig. Aber es würde nicht unserer Art entsprechen, den Telefonhörer zu nehmen und zu sagen, 'Hör mal, das kommt alles wieder. Lass uns loslegen und ein Album produzieren.' Wir waren weit davon entfernt. Es ist Zufall, dass das Album zu einer Zeit herauskommt, in der auch die Hives und die Strokes ein bisschen Presse bekommen. Und glaub mir, es ist nicht einfach, nach 35 Jahren einen Plattenvertrag zu kriegen. Besonders mit den Neustrukturierungen der Major Companies, die selbst sehr gute Acts gefeuert haben. Steve kam vorbei und sagte, wenn wir es in dieser Art machen könnten, würde er gerne ein Album mit uns machen. Er war ganz locker dabei... und er spielte auch ein sehr gutes Solo."

 

McCarty war in London, als die White Stripes ein paar Yardbirds Songs gespielt haben - zusammen mit keinem anderen als Jeff Beck. "Ich habe mich danach mit dem Sänger Jack unterhalten", erinnert sich Jim, "und er war voller Komplimente." Das Set mit Jeff war sehr aufregend und voll mit jugendlichem Enthusiasmus".

 

"Es wird äußerst faszinierend sein, zu sehen, was passiert – wer uns zerreist und wer nicht," sagt Dreja. "Wir werden offensichtlich nach Amerika kommen und das Album machen; es ist sehr wichtig für uns. Keiner von uns ist ein Jungspund und wer weiss, wie viele Jahre uns zum Herumtouren noch bleiben. Das wird also nochmal ein richtiger Wendepunkt für uns. Aber das ist eine Band. Das ist es, was die Yardbirds sind – mit allen Ecken und Kanten und allem, was dazugehört. Das ist eben das einzig wahre."


Die CD Birdland:





Soundbeispiel von der neuen CD
Weiteres Soundbeispiel im Onlineshop
 




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