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Interview mit dem Gitarrenbauer Thomas Kortmann 1. Teil


Wir hatten die Gelegenheit, den Gitarrenbauer Thomas Kortmann in Oberursel bei Frankfurt zu besuchen und ihm ein paar Fragen über Gitarren zu stellen. Dabei haben wir einen richtigen Bastler und Soundtüftler kennengelernt, der seit 30 Jahren Gitarren baut und etliche wertvolle Anregungen für die eigene Soundentwicklung und den Gitarrenkauf geben kann:

 

gitarrist.net: Welche Hölzer erzeugen welchen Klang?

 

Bei meiner Les Paul verwende ich z.B. klassische Kombination aus Mahagoni für Hals und Body. Für das Griffbrett verwende ich Rio Palisander, was der Gitarre einen etwas brillanteren Klang verleiht. Ein Ebenholz-Griffbrett macht den Sound etwas mittiger.

Die Les Paul Standard z.B. hat ein Palisander-Griffbrett. Das "schiebt den Ton hinterher". Du schlägst den Ton an, und - wenn sie gut ist - kommt nochmal ein richtiger "Schub" hinterher.

Die Les Paul Custom hat ein Ebenholz-Griffbrett. Sie ist direkter und klingt etwas mittiger. Wenn man mit dem Volume runtergeht, ist der Soundunterschied nicht so groß. Da ist die Standard sensibler. Das liegt auch am Griffbrett. Einen typischen Standard-Sound haben z.B. Gary Moore oder Peter Green. Einen Custom-Sound hat Peter Frampton. Die filigranen Sound-Tüftler sind also im Prinzip alle bei der Standard gelandet.

 

Es gibt aber eine Menge anderer Sachen, die den Klang beeinflussen:

z.B. spielt bei der Les Paul der Winkel, in dem der Hals angesetzt wird, eine große Rolle. Besonders gut ist der Klang, wenn der Winkel 3,5 Grad beträgt. Man kann sagen, dass der Ton bei 3,5 Grad eher singend ist, bei 4 Grad ist er fetter in den Bässen, dafür singt er nicht so.

Aus industrietechnischen Gründen ist es aber in der Massenproduktion nicht möglich, jeden Hals einzeln anzupassen und die Decke entsprechend nachzubearbeiten. Deshalb wird oft der Tune-O-Matic Steg so hoch eingestellt. Das beeinflußt den Klang natürlich nicht so positiv. Die Verbindung von Hals und Body ist ebenfalls wichtig. Die alten Les Pauls hatten z.B. einen Halsfuß bis zum Pickup. So etwas muss natürlich von Hand angepasst werden. Einige Hersteller gehen dazu über, den Hals einer Gitarre nur noch über Seitendruck mit dem Body zu verbinden. Der Hals wird also im gewünschten Winkel in den Body eingesetzt und nur an den Seiten verleimt, nicht jedoch am Boden. Das verringert natürlich auch die Kontaktfläche zwischen Hals und Body, was die Ton-Übertragung mindert.

Wichtig ist auch, dass die Tune-O-Matic direkt in die Decke kommt und nicht durch Bolzen mit der Decke verbunden wird. Ich verwende bei meinen Gitarren auch Superlight Stopbars, die klingen besser als die schweren Messingdinger.

Wenn das Konzept stimmt, stimmt auch die Gitarre. Holz macht nur einen Teil des Sounds aus. Wenn der Rest nicht stimmt, nützt das beste Holz nichts.

 

Zum Gewicht:

Früher hat man immer gesagt, dass eine Gitarre, um gut zu klingen, schwer sein muss. Heute werden Gitarren eher leichter gebaut. Meine Philosophie ist: "Weniger Masse lässt sich besser in Schwingungen versetzen." Was überhaupt nicht stimmt ist, dass dicke Hälse besser klingen als dünne. Ich habe schon an dieselbe Gitarre einen dicken und einen dünnen Hals gebaut und konnte keinen Unterschied feststellen.

 

Bei der Telecaster gilt: Hals und Steg machen den Sound. Der Pickup bestimmt noch ein bisschen die Nuance. Also wenn Du richtig "Twäng" haben willst, musst du eine Stahlplatte für den Steg verwenden. Die Messingreplacements klingen muffig und dumpf. Für Tele und Strat gilt auch: Wenn die Pickups auf Holz montiert sind, klingen sie mittiger als auf dem Schlagbrett. Also wenn Du den typischen Mark-Knopfler-Strat-Sound haben willst, müssen die Pickups auf dem Schlagbrett angebracht sein. Um nochmal auf die Holzarten zu kommen: Bei Strat und Tele kann man den Hals aus Maple (Ahorn) und das Griffbrett und den Body aus Erle oder Sumpfesche machen. Was Ahorn betrifft, verwende ich nur "birds eye", also Vogelaugen-Ahorn. Da es aus einer kälteren Gegend kommt, ist es enger gewachsen und damit härter. Kalifornischer Ahorn ist z.B. sehr viel weicher. Das erkennnt man an dem Abstand der Jahresringe (Thomas zeigt uns den Hals seiner Tele): Da sind Striche zu sehen, die aussehen, als wären sie mit Bleistift über das Holz gezogen. Die dunklen sind im Winter gewachsen, die hellen im Sommer. Hier stehen die Linien sehr dicht beieinander. Ein Qualitätskriterium ist also die Dichte der Jahresringe und dass sie parallel zum Hals verlaufen. Der Schall kann sich in Faserrichtung besser bewegen. Wenn die Faser unterbrochen ist, hört man zwar nicht gleich, dass der Ton länger braucht, man verschenkt aber Klang und Stabilität. Für Griffbrett-Holz gilt dasselbe: Es gibt One-Piece-Necks, also ohne Griffbrett, oder mit einem Griffbrett aus Rio-Palisander und Ebenholz. Das sind dann auch die verschiedenen Klangfarben, die Du haben kannst.

 

gitarrist.net: Was ist mit Hohlräumen?

 

Wenn wir bei der Les Paul bleiben: Da gibt es die magischen 3,8 kg. Gibson bohrt Löcher in den Body, dass sie auch nur 3,8 kg wiegen. Dazu stehen sie auch. Das sind Sachen, die macht man, um ein bestimmtes Gewicht zu verkaufen. Mit dem Klang hat das nichts zu tun.

Ich selbst gehe zu meinem Holzhändler und suche mir ein leichtes Holz aus. Deshalb bin ich auch noch nicht in Versuchung gekommen, auszuprobieren, wie meine Les Paul mit einer verschiedenen Anzahl von Löchern klingt. An das, was als "Soundchambers" verkauft wird, glaube ich nicht. Da müsste ich erst Tests machen. Ich selbst habe eine Modell-Palette von Jazz, 335, Les Paul, Strat oder Tele, aber kein Modell dazwischen. Wenn jemand kommt und eine Semi will, dann baue ich ihm eine Semi. Da gibt es auch 1000 Sachen, mit denen man den Klang beeinflussen kann. Wenn jemand eine Les Paul haben möchte, dann baue ich ihm eine Les Paul. Dass jemand eine Les Paul will, die wie eine Semi klingt, hatte ich noch nicht.

 

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews. Darin geht es um Pickups und ein ein paar Dinge, die man beim Kauf einer Gitarre beachten sollte.


 
Kontakt


Thomas Kortmann

Werkstatt: 06081 / 15686

Laden: 06171 / 52262

E-Mail: thomas.kortmann@gmx.de

 




Der Meister bei der Arbeit :-)




Tune-O-Matic im Detail




Der Halsansatz




Die Höheneinstellung in Abhängigkeit vom Winkel


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